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PIA DOUWES IM INTERVIEW – SIE BRINGT „EIN WENIG FARBE“ INS LEBEN

Christopher 30. April 2018
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PIA DOUWES IM INTERVIEW – SIE BRINGT „EIN WENIG FARBE“ INS LEBEN

Musicalstar Pia Douwes im ganz intimen Rahmen – mit „Ein wenig Farbe“ in der Theatercouch in Wien spielt die gebürtige Holländerin eine ganz besondere Rolle. Ich traf sie vorab zu einem Gespräch über diese spannende Aufgabe. Danke, liebe Pia, für das ausführliche Interview und toi, toi, toi für die anstehende Premiere!

Madeleine Weiss: Was kannst du uns schon über das Stück „Ein wenig Farbe“ verraten?

Pia Douwes: „Ein wenig Farbe“ handelt von einer Transgender-Frau, also offiziell Transfrau, und das Thema, das im Mittelpunkt steht, ist ein sehr breites, nämlich wirklich zu sich zu stehen und dass man sich in seinem eigenen Körper zuhause fühlt. Es ist immer noch ein Tabu in unserer Society. Nicht bei allen, aber es ist für manche schwierig zu verstehen. Es gibt aber Gott sei Dank immer mehr Leute, die offen darüber reden und dadurch merkst du auch, dass es immer mehr Menschen gibt, die wirklich spüren, dass sie nicht im richtigen Körper sind. Also für mich ist das sehr verständlich, aber das ist nicht für jede Person so. Ich finde es normal, dass Leute sich so fühlen: Der eine ist schwul, der andere ist Transgender, der eine will nie heiraten und fühlt sich prima alleine, der andere will Kinder haben. Was uns aber alle verbindet, ist, dass wir uns alle sehr oft unserer Umgebung wegen verstellen. Wir versuchen es immer allen recht zu machen oder es uns so zu richten, dass wir überall hineinpassen und da verschwindet dann ein Stückchen von uns selbst. In diesem Stück wird sehr deutlich, dass es wirklich wichtig ist, zu sich zu stehen. Es geht darum, dass diese Frau am Vorabend ihrer letzten Operation, der Angleichung, steht. Sie hat schon Brüste und Hormone genommen, das heißt, im Stück selbst ist schon fast ganz Frau, aber gerade „das letzte Stück Mann“ an ihr wird entfernt. Während sie im Krankenhaus ist, kommen quasi alle Erinnerungen an ihre Vergangenheit hoch. Sprich, wie es als Kind war, wie sie später auch Schwierigkeiten auf ihrem Weg hatte und es ist Gott sei Dank kein überdramatisches Stück, sondern es gibt neben den emotionalen Momenten auch sehr witzige. Alle Figuren, die in ihrem Leben vorkommen, also 14 Stück, spiele ich auch. Ob die Ex-Frau, die Kinder, die Mutter, die Psychotherapeutin, der mögliche Arbeitgeber, etc. – ich kann sagen, ich spiele insgesamt 14 Personen. Andreas Gergen hat einen tollen Weg gefunden, das so zu arrangieren, dass ich alle verkörpern kann. Es gibt aber eine kleine Unterstützung, nämlich den jungen Klaus. Diese Rolle wird von einem jungen Burschen verkörpert, aber es ist eine stumme Rolle. In zwei Songs verkörpert er mein junges Ich, damit ich dann beispielsweise die Mutter spielen kann. Rory hat einfach ein großartiges Stück geschrieben. Tolle Songs – die sind wirklich großartig, finde ich.

Madeleine Weiss: Wie bereitet man sich denn auf eine Rolle dieser Art vor?

Pia Douwes: Natürlich habe ich mit Rory viel an dem Stück gearbeitet und mit ihm auch so manche Dinge abgeändert. Das ganze Skript ist politisch korrekt und es gibt in diesem Stück sehr viele miteinander verbundene Geschichten, die wir beide gehört, gelesen oder erfahren haben. Ich habe mit Psychologen gesprochen, Bücher gelesen, Fragerunden gemacht und mit einem Chirurgen gesprochen, wodurch ich wahnsinnig viele Informationen gewinnen konnte. Auch in der letzten Probenphase, also quasi beim Entwickeln des Stückes, gibt es immer noch kleine Änderungen, die hinzugefügt werden.

Madeleine Weiss: Was hat dich dazu bewogen, diese doch sicher nicht einfache Rolle zu spielen?

Pia Douwes: Ich bin ja sowieso jemand, der es mag, spannende Themen aufzugreifen, die spannend sind. „Next to Normal“ war auch eines meiner Lieblingsstücke, weil Depressionen ebenso als Tabu gelten – unfassbar viele Menschen leiden darunter, aber darüber gesprochen wird nicht viel. Als Rory mich angerufen hat, habe ich keine Sekunde gezögert, „Ein wenig Farbe“ zuzusagen. Ich finde, solche Themen müssen in die Öffentlichkeit kommen. Man muss darüber sprechen, man muss nicht immer alles verstehen oder damit einverstanden sein, aber wenigstens soll man es diskutieren können und sich einmal damit befassen, damit man mehr Verständnis kreieren kann. Es ist wahnsinnig gut, wenn Transgender-Menschen andere dazu anregen, sich vorzustellen, sie wären im falschen Körper geboren, denn genau das ist es, wie sie sich täglich fühlen.

Madeleine Weiss: Glaubst du, dass die intime Atmosphäre in der Theatercouch dazu beiträgt, dass das Stück noch ein Stückchen besonderer wird, oder siehst du es eher als Herausforderung?

Pia Douwes: Ich glaube, gerade darin liegt die Kraft – solche Stücke sind in einem kleineren Theater besonders gut. Es bringt es dem Publikum näher und macht es angreifbarer. Hier müssen sich sowohl Publikum, als auch ich damit auseinandersetzen. Ich habe keine Ahnung, ob es gut wird, oder ob ich es richtig verkörpern werde: Ich spiele einen Mann, der eine Frau ist, aber ich bin eine Frau – ich muss mir also vorstellen, wie es ist, ein Mann zu sein. Das ist die Herausforderung für mich. Es ist einfach eine Lebensgeschichte in musikalischer Form.

Madeleine Weiss: Weil du es vorhin schon erwählt hattest: Siehst du Parallelen zu „Next to Normal“ in „Ein wenig Farbe“?

Pia Douwes: Absolut. Ich sehe natürlich auch als Parallele, dass sich Diana nie in ihrem Körper wohlgefühlt hat und sich auch verstellt hat. Letztendlich, zum Schluss, sagt sie, ich muss meinen Weg finden und ich muss mich wieder selbst spüren. So bekommt auch der Mann im Grunde genommen die Möglichkeit, zu sich zu finden und auch die Tochter kann sich der Mutter wieder annähern, weil Diana einsieht, dass sie vom normalen Leben keine Ahnung hat. Aber was ist schon ein normales Leben! Da gibt es Songtexte, wo du denkst, das ist so wahr und das ist auch bei „Ein wenig Farbe“ so.

Madeleine Weiss: Hast du einen Lieblingsmoment in „Ein wenig Farbe“?

Pia Douwes: Es gibt eine Wienerin im Stück, Gudrun, die sehr laut und provozierend ist. Sie ist sehr lustig und die Psychotherapeutin hat auch witzige Nummern, aber eine berührende  Stelle ist auch, wenn die Hauptperson ihre Mutter im Wohnheim besucht. „Ein wenig Farbe“ hat von allem etwas, so wie das Leben. Das Leben ist voller Tragik-Komik. Wir haben auch gemerkt, dass, wenn man mit Transgender-Menschen redet, sie kein schweres Herz haben. Ja, sie kannten Momente, wo sie dachten, sie wollen nicht mehr leben, aber wenn sie mal in ihren Körper gefunden haben, dann können sie offen darüber reden. Man kommt im Leben auch an einen Punkt, wo man mehr über sich selbst lachen kann. Den habe ich auch erreicht und es ist wichtig, dass man das kann.

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